Wenn Gurtschieflauf messbar wird
VOM SPORADISCHEN STÖREREIGNIS ZUR EINDEUTIG IDENTIFIZIERTEN URSACHE
Mit e-PrimeTracker, OT-Prozessdaten und der ScrapeTec Analytic Engine wird dynamischer Gurtschieflauf messbar, analysierbar und technisch beherrschbar.
An einem Produktionsstandort der chemischen Industrie führten sporadisch auftretende Gurtschiefläufe wiederholt zu automatischen Abschaltungen einer zentralen Förderbandanlage. Da das betroffene Förderband Bestandteil einer kritischen Hauptförderlinie ist, beeinflusste jede Abschaltung unmittelbar vor- und nachgelagerte Förderprozesse. Die Herausforderung bestand deshalb nicht allein darin, die Anzahl ungeplanter Stillstände zu reduzieren, sondern vor allem deren bislang nicht eindeutig identifizierbare Ursache zu ermitteln.
Die Anlagenkonfiguration erschwerte die klassische Fehlersuche erheblich. Zwei kurz aufeinanderfolgende Aufgabestellen, die dynamische Zuschaltung der zweiten Beladung sowie ein verfahrbarer Trippercar mit wechselnden Entladepositionen erzeugen unterschiedliche Lastzustände und eine hohe Dynamik des Gurtlaufs. Die sporadischen Schieflaufereignisse ließen sich deshalb nicht zuverlässig einer einzelnen mechanischen Komponente oder einem bestimmten Betriebszustand zuordnen.
Für eine kontinuierliche und datenbasierte Analyse wurde der e-PrimeTracker im Untertrum der Förderanlage, etwa 18 Meter vor der Kehrtrommel, installiert. Der e-PrimeTracker basiert auf der bewährten mechanischen Wirkweise des PrimeTrackers, der Gurtschieflauf bereits bei geringsten Abweichungen kontinuierlich und ohne Verzögerung korrigiert. Zusätzlich ist er mit Sensoren und einer digitalen Einheit zur Erfassung, Verarbeitung und Übertragung von Gurtlaufdaten ausgestattet. Die erfassten Messdaten wurden mit relevanten Betriebs- und OT-Daten der Anlage verknüpft. Hierzu gehörten insbesondere die Motorstromaufnahme und Statusinformationen zur Zuschaltung der zweiten Aufgabestelle. Mithilfe der ScrapeTec Analytic Engine konnten Gurtbewegungen und Prozesszustände zeitlich synchronisiert und unterschiedliche Betriebs- und Abschaltereignisse miteinander verglichen werden.
Im ersten Analyseschritt wurden potenzielle mechanische Ursachen systematisch ausgeschlossen. Untersucht wurden Einflüsse:
der Bandkonstruktion (z.B. Trommel- und Rollenausrichtung),
mögliche Veränderungen des Fördergurtes
sowie der Zustand von Kehrtrommel, Trommeloberfläche und relevanten Lagerstellen. Ergänzende Frequenzanalysen zeigten keine signifikanten Abweichungen vom normalen Anlagenverhalten.
Den entscheidenden Zusammenhang lieferte die kombinierte Analyse der e-PrimeTracker-Messwerte und der OT-Daten. Über mehrere Abschaltereignisse hinweg konnte eine eindeutige zeitliche Korrelation zwischen kritischen Gurtbewegungen und der dynamischen Zuschaltung der zweiten Aufgabestelle nachgewiesen werden.
Impulsartige Materialaufgaben an dieser Beladestelle erzeugten die relevanten Gurtbewegungen, die schließlich die sporadischen Schieflaufabschaltungen auslösten.
Damit wurde eine zuvor schwer reproduzierbare Störung erstmals einem konkreten Prozessereignis zugeordnet. Auf Grundlage dieser Erkenntnisse konnten die ScrapeTec-Ingenieure gezielte technische Maßnahmen zur Stabilisierung des Gurtlaufs empfehlen. Während die integrierte mechanische Gurtkorrektur des e-PrimeTrackers den Gurtlauf unmittelbar stabilisiert, ermöglicht die zusätzliche Datenerfassung die Identifikation ursächlicher Prozess- und Betriebszustände sowie daraus abgeleiteter Handlungsempfehlungen. Gleichzeitig ermöglicht der e-PrimeTracker, deren Wirksamkeit unter realen Betriebsbedingungen dauerhaft zu überprüfen.
Aus sporadischem Gurtschieflauf wird damit ein messbarer Prozess: Statt reaktiv nach Fehlern zu suchen, schafft der e-PrimeTracker eine belastbare Datenbasis, um Ursachen zu identifizieren, technische Maßnahmen gezielt abzuleiten und ungeplante Stillstände nachhaltig zu reduzieren.